Präsident der ABCSG

„Brustkrebs war und ist eine Geißel der Menschheit, eine von acht Frauen ist davon betroffen, das ist zu viel. Die Durchführung von klinischen Studien hilft, Therapiefortschritte zu erzielen.“

Vor 30 Jahren gründete eine interdisziplinäre Gruppe von Ärztinnen und Ärzten die Austrian Breast & Colorectal Cancer Study Group (ABCSG), um gemeinsam neue Maßstäbe für die Krebstherapie zu setzen und für PatientInnen verbesserte Behandlungen zu erzielen. Seither hat die Gruppe viel erreicht – bei Therapie und Nebenwirkungsmanagement von Brustkrebs, wodurch Österreich ein Brennpunkt internationaler klinischer Forschung geworden ist. Dazu kommen Standardisierung und innovative Therapiekonzepte bei Darmkrebs und zuletzt begonnen Studien zum Pankreaskarzinom.

Seit November 2005 ist Michael Gnant Präsident dieser österreichischen Studiengruppe, die mittlerweile 25.000 Studienteilnehmer an 100 Zentren in ganz Österreich betreut.

 

ABCSG-Präsident Univ.-Prof. Dr. Michael Gnant im Gespräch zu „30 Jahre ABCSG“:

Was hat sich an der Durchführung klinischer Studien in den letzten 30 Jahren verändert?

Nahezu alles. Vor 30 Jahren hat eine kleine Gruppe von engagierten Ärztinnen und Ärzten beschlossen, frühen amerikanischen Vorbildern zu folgen und sich zu einer Studiengruppe zusammenzuschließen. Alles war Neuland und musste von den ProtagonistInnen in ihrer Freizeit erarbeitet werden. Es gab keinen gesetzlichen Rahmen und keine allgemeingültigen Regeln. So sehr diese – unbürokratische – Zeit der klinischen Forschung echten Pioniercharakter hatte und von manchen verklärt gesehen wird, muss doch eindeutig festgestellt werden, dass sich die Ergebnisqualität, die PatientInnensicherheit und letztlich vor allem die Professionalität seither doch enorm gesteigert haben – wenn auch mit riesigem Aufwand.

Haben PatientInnen heute einen veränderten Zugang zu klinischer Forschung?

PatientInnen sind heute mündiger, fragen mehr und haben vor allem das Internet als – oft problematische – Informationsquelle. Erfreulicherweise sind die österreichischen Brustkrebspatientinnen weiterhin die „Weltmeisterinnen“ in der Studienteilnahme – ich hoffe, dass das noch lange so bleibt.

Was sind Ihre Ziele für die nächsten 30 Jahre der ABCSG?

Ich persönlich werde die nächsten 30 Jahre wohl nur einleiten … Wir haben sehr erfolgreich begonnen, uns operativ zu internationalisieren – aus zwei Gründen:
Erstens gibt es in einem so kleinen Land wie Österreich keine nur-nationalen Studien mehr, und zweitens haben wir ein Team an Fachleuten in der ABCSG aufgebaut, das schrittweise auch die Verantwortung in überregionalen oder gar globalen Projekten übernehmen kann. Weiters würde ich mir wünschen, dass die in unserem Land einfach sehr geringe kritische Masse molekularer und translationaler Forschung enger mit unseren großen Studienprojekten zusammenarbeitet.

Nach Brust- und Darmkrebs laufen nun auch Pankreasstudien der ABCSG – wird sich die Forschungstätigkeit in den nächsten Jahren auf weitere Krebsentitäten ausweiten, oder sollen weniger Krebsarten dafür intensiver beforscht werden?

Gerade das Pankreaskarzinom stellt eine besondere ärztliche und wissenschaftliche Herausforderung dar und bietet Perspektiven der noch erweiterten interdisziplinären Vernetzung klinischer Forschung. Die ersten beiden Studienprojekte sind sehr erfolgreich gestartet. Ich denke, wir werden uns mit Klugheit und Besonnenheit einerseits auf unsere Stärken fokussieren, andererseits Gelegenheiten und Einladungen wahrnehmen, unsere enorme Expertise in der klinischen Krebsforschung einzubringen.

Interview des Journal ABCSGinside